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Ein altes Schulhaus erzählt



Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

ich möchte mich Ihnen kurz vorstellen: Ich bin die alte Realschule Weißenburg, deren Grundsteine 1955 gelegt wurden. Zum Glück wurde ich im Jahre 2000 völlig erneuert und auch vergrößert, da ich seit dieser Zeit nicht nur die 7. bis 10. Klassen beherberge, sondern auch die Winzlinge aus den 5. und 6. Klassen, inzwischen insgesamt fast 1.000 Schüler, die mich meist gut behandeln. Vandalismus ist für mich zum Glück ein Fremdwort, denn die Kinder und Jugendlichen kommen gerne zu mir und betrachten mich fast als ihr zweites Wohnzimmer.

 

Mein Standort ist zwischen der Hauptschule und dem Gymnasium in unmittelbarer Nähe der mittelalterlichen Stadtmauer Weißenburgs, einer idyllischen Gegend, um die mich viele meiner Kollegen beneiden. Von der Nordseite hat man einen schönen Blick auf den so genannten „Seeweiher", der sich vor der Stadtmauer entlang zieht, und schaut man aus den Ostfenstern, so kann man sich an dem fantasievoll gestalteten Schulgarten erfreuen, den Schülerinnen und Schüler mit ihren Lehrerinnen geschaffen haben und ihn liebevoll pflegen.

 

Gleich daneben befindet sich unser völlig erneuerter Pavillon für die 9. und 10. Klassen, der früher „Baracke" genannt wurde, weil er so hässlich war. Aber das ist längst vorbei. An seiner Stelle steht nun ein Neubau mit hellen Klassenzimmern. Auf der Westseite des Hauptgebäudes sind das Schwimmbad und die Sportanlagen gelegen, wo jährlich ein Sport- und Spielfest stattfindet, das Lehrern und Schülern viel Freude bereitet. Außerdem werden meinen jugendlichen Bewohnern vielfältige Aktivitäten angeboten: Wandertage, Studienfahrten, Kinovorführungen sowie Exkursionen in unterschiedlichen Fächern, und für die 9. Klassen gibt es seit vielen Jahren ein pädagogisch sehr sinnvolles Projekt: Die „Tage der Orientierung". Das ist eine Art Seminar, das von den Religionslehrern in einem barocken Kloster in der Nähe Weißenburgs abgehalten wird. Die jungen Leute kehren immer mit einem gestärkten Gemeinschaftsgefühl zurück, und das ist für ein altes Schulhaus, wie ich es bin, von großer Wichtigkeit.

Besuchen mich Fremde, meist Vertreter anderer Schulen, so höre ich nicht selten den Satz: „Was für ein schön gestaltetes Schulgebäude!". Das liegt natürlich nicht zuletzt daran, dass die Kunstlehrerinnen mit ihren Schülern meine Wände mit wunderschönen Bildern schmücken, die im Unterricht entstanden sind. Auch haben wir seit Jahren das Fach Französisch als zweite Fremdsprache im Angebot, und es ist mir eine besondere Ehre, das Partnerschulhaus in Brive (Collège Jean Lurçat) mit seinem Kollegium und den Schülern als Freunde grüßen zu dürfen.

Aber auch andere Projekte werden konstant durchgeführt, in allen Fachbereichen. In meinem Foyer gibt es zum Beispiel jährlich ein Konzert der Big-Band, geschult von zwei Musiklehrern, die ein Ensemble geschaffen haben, das sogar den Herrn Oberbürgermeister beeindruckte, er überlegte schon, die Schüler als Musiker für den Neujahrsempfang im Rathaus zu engagieren. Die CD, kreiert von diesen beiden Musiklehrern, konnte ich vor kurzem hören: Eine tolle Leistung, bei der Lehrer, Schüler und ehemalige Schüler mitgewirkt haben und die beweist, wie gut das Verhältnis zwischen den Lehrern und ihren Schülern in meinem Hause ist. Schülergruppen nehmen an Wettbewerben, die deutschlandweit ausgeschrieben sind, teil, und haben immer wieder mal Erfolg.

Ein konstantes Highlight sind auch die Aufführungen der Theatergruppe, wobei die Jungen und vor allem die Mädchen unter professioneller Anleitung von zwei engagierten Theaterfachfrauen Stücke mit philosophischem Tiefgang und großer Kreativität entwerfen und so hervorragend agieren, dass sie überregionale Preise gewinnen. Da kann ich altes Schulhaus doch stolz darauf sein, auch wenn angesichts des Besucherandrangs mein Aufführungsraum fast aus allen Nähten platzt! So mancher Schüler, so manche Schülerin kam nach der Abschlussprüfung zu mir, um mir zu sagen, dass sie durch die Arbeit in der Theatergruppe Entscheidendes für ihr Leben gelernt haben: Selbstsicherheit, souveränes Auftreten und sprachliche Gewandtheit.

Nun, liebe Leserinnen und Leser, wünsche ich mir nur noch eines: Dass ich altes Schulhaus weiterhin, viele Jahre lang, als Stätte der Bildung dienen kann, zum Wohle der Schülerinnen und Schüler und als angenehmer Arbeitsplatz für mein Kollegium.

HP, am 19. Juni 2010 

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